Technik

Technik der Windmühle Paula

Der Lauf des Getreides durch die Mühle Grundriss der Windmühle Paula
„Paula“ ist ein 3-stöckiger Erdholländer mit Windrose und Jalousieflügeln. Sie enthält 2 Mahlgänge, eisernes Räderwerk, Walzenstuhl, 2 Mehlsichter, Fahrstuhl. Angetrieben wird die Mühle durch 4 je 10 Meter lange Flügel. Zum Regulieren der Windangriffsfläche sind diese mit verstellbaren Jalousieklappen ausgerüstet.

Die Flügel sind an der Flügelwelle befestigt, die leicht schräg geneigt in der Kappe der Mühle verläuft. Um die Flügel stets in die vorherrschende Windrichtung stellen zu können, ist die Kappe drehbar. Diese Drehung geschieht automatisch mit Hilfe der Windrose.

Auf der Flügelwelle in der Haube befindet sich das große Kammrad, dessen Zähne (Kämme) in den waagerecht liegenden Bunkler greifen, der als gusseisernes Kegelzahnrad ausgeführt ist.

Der Bunkler ist auf der Königswelle im 3. Stock befestigt, welche als Hauptantriebswelle der Mühle dient. Diese Königswelle besteht aus zwei Holzteilen, die in Höhe des dritten Bodens durch eine Kupplung miteinander verbunden sind. Im Erdgeschoß befindet sich auf der Königswelle ein großes eisernes Stirnrad, welches mit hölzernen Zähnen zwei eiserne Ritzel und von unten damit zwei Mahlgänge antreibt.

Ein Mahlgang besteht aus zwei Mühlsteinen, von denen sich der oben liegende (Läuferstein) auf dem unteren dreht und damit das Getreide zerreibt. Eine Anzahl von Furchen und Rillen in den Mahlflächen der Steine dient dem Transport des Mahlgutes und dem Vorbrechen und Schneiden der Körner.

Hauptantriebswelle der Mühle (Königswelle) (Foto: Rudi Diersche)
Um unnötige Staubentwicklung zu vermeiden und das Mahlgut aufzufangen, sind die Mühlsteine mit einer hölzernen Verkleidung (Bütte) umgeben. Darauf befindet sich ein Trichter zum Einfüllen des Getreides. Unter diesem verläuft eine Rutsche (Rüttelschuh) zum Transport des Getreides Richtung Mühlsteine, welche um einen stetigen Lauf der Körner zu ermöglichen, ständig hin- und hergerüttelt wird. Das dadurch erzeugte Geräusch ist das viel besungene „Klappern der Mühle“. Nach dem Vermahlen läuft das Mahlgut durch ein Holzrohr ins Erdgeschoß, entweder als Futterschrot direkt in einen Sack oder, im Falle einer Mehlherstellung zu weiteren Bearbeitungsmaschinen.
Firmensiegel der französischen Mühlenfirma Alexandre Fauqueux & Cie
(ein „Mercedes unter den Mahlsteinen) (Foto: Rudi Diersche)

Um weitere Maschinen in der Mühle antreiben zu können, ist die Königswelle bis in eine Art Kriechkeller verlängert und treibt dort über ein eisernes Kegelgetriebe auf eine liegende Welle. Von dieser kann über einen Treibriemen eine im Erdgeschoß hängende Transmission betrieben werden, die wiederum über Riemen mit den meisten in der Mühle befindlichen Maschinen verbunden ist. Diese Transmission kann auch von einem etwa 80 Jahre alten Elektromotor betrieben werden.

Ebenso ließ sich früher die gesamte Mühle durch die unterirdische Welle von außerhalb durch eine Dampflokomobile, später durch einen Verbrennungsmotor betreiben.

Parallel zu den Mühlsteinen hat man in dieser Mühle schon recht früh das modernere Mahlverfahren mit Walzen angewendet. Dazu steht der vermutlich älteste Walzenstuhl Niedersachsens (von um 1880) zur Verfügung. In diesem befinden sich zwei Hartgusswalzen, die ähnlich wie die Mühlsteine eine Riffelung aufweisen.

Um eine mahlende Wirkung zu erzielen, drehen sich beide Walzen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit gegeneinander. Eine dritte Walze im Oberteil der Maschine führt das Getreide zu.

Mühlengerätschaften, die Rüdiger Hagen aus anderen Mühlen zusammengetragen hat: Labor zur Bestimmung von Getreidefeuchte und -besatz, Labormühle aus den Dreißigern aus Mandelsloh und automatische Durchlaufwaage aus Hoisbüttel bei Ahrensburg, mit der Hubert Pare dort auch schon gearbeitet haben soll.

Mühlengerätschaften (Fotos: Rudi Diersche 2005)

Auszüge aus: Steinhude …bevor die Fremden kamen, Sammlung historischer und aktueller Texte und Fotos von R. Diersche, Steinhude, ISBN 3-89570-533-0;
Geschichte der jetzigen Steinhuder Windmühle und Chronik der Windmühle „Paula“ von Rüdiger Hagen, Wedemark